Überdruckventil schließt nicht richtig? So löst du das Problem ein für alle Mal

Gumotex Überdruckventil undicht

Das Überdruckventil von Gumotex schützt den Boden deines Schlauchkajaks davor, bei zu hohem Druck zu platzen. Klingt erstmal unspektakulär – bis das Ding nicht mehr richtig schließt und du merkst, wie dein frisch aufgepumpter Boden langsam weich wird. Meistens liegt’s an einem einzigen Sandkorn. Hier kommen alle Tricks, damit dir das auf Tour nicht passiert.


Warum macht das Ventil überhaupt Probleme?

Im Inneren sitzt ein federgelagerter Stempel. Wird der Druck in der Luftkammer zu groß, drückt er den Stempeldeckel nach oben – die Dichtung hebt sich an, Luft bläst ab, alles gut. Das Problem: Die Ventilkappe hat kleine Schlitze. Durch die gelangt Dreck ins Innere und setzt sich unter die Dichtung. Gerade wenn etwas Wasser im Boot steht wird der Dreck regelrecht unter den Deckel gespült. Beim Absenken des Stempels schließt die Dichtung dann nicht mehr sauber – und Luft entweicht dauerhaft, auch wenn der Druck längst wieder normal ist.

Ein einziges Sandkorn reicht dafür.

dreck an den Löchern der Ventilkappe
Durch diese Schlitze gelangt der Dreck ins Innere, vor allem wenn Wasser im Boot ist

Schritt 1: Ventil ausbauen

Boden aufpumpen, dann das Ventil mit dem Ventilschlüssel gegen den Uhrzeigersinn herausdrehen. Mit Druck in der Kammer hat man mehr Gegendruck und das Ventil lässt sich besser herausdrehen.


Schritt 2: Demontieren und durchspülen

Unterwegs kann ein Durchspülen im zusammengebauten Zustand schon helfen. Verlässlicher ist aber die vollständige Demontage:

Die Mutter an der Unterseite abdrehen – aber Vorsicht, im Inneren ist eine Feder gespannt. Festhalten, sonst fliegen dir die Teile durch die Gegend, sobald die Mutter losgedreht ist. Aus dem Ventil kommen: Mutter, Plastikkreuz, Feder und Stempel. Den Gummiring auch abnehmen.

auseinanderbauen des Überdruckventils
Beim Auseinandernehmen aufpassen, dass nicht alles durch die Gegend fliegt

Jetzt alles gründlich mit klarem Wasser abspülen. Ventilgehäuse, Stempel, alle Ecken – bis keine Sandkörner mehr drin sind. Aufpassen, dass nichts im Abfluss verschwindet. Manche der Teile sind klein und weg ist weg.

Danach alles abtrocknen lassen, dann geht’s ans Zusammenbauen.

gründliches abwaschen des Ventils
Die Einzelteile gründlich abspülen und von Schmutz und Sand befreien

Schritt 3: Zusammenbauen und wieder einsetzen

Stempel rein, Feder rein, Fixierkreuz aufsetzen und ein Stück reindrücken, um die Feder zu spannen – dann schnell die Mutter aufdrehen. Da die Mutter eine Schraubensicherung hat, brauchst du Werkzeug um sie vollständig festzuziehen.

Beim Einsetzen ins Boot das Unterteil zentral unter dem Loch ausrichten. Oberen Ventilkörper einsetzen, mit der Hand festschrauben, mit dem Ventilschlüssel leicht nachziehen. Jetzt den Boden aufpumpen – mit voller Luftkammer ist der Gegendruck größer und das Ventil kann noch ein ganzes Stück nachgezogen werden. Ventilkappe wieder drauf, fertig.

einschrauben des Überdruckventils
Das Ventil mittig einsetzen und festschrauben
nachziehen mit dem Ventilschlüssel
dann aufpumpen und mit dem Schlüssel festziehen

Damit es gar nicht erst so weit kommt

Zwei Möglichkeiten, um Dreck von vornherein fernzuhalten:

Ein Stück feinmaschiges Textil unter die Ventilkappe legen. Abblasende Luft kommt durch, Dreck bleibt draußen.

ein Gewebe als Drecksperre
Das Gewerbe fängt den Schmutz auf

Oder die Löcher der Ventilkappe abkleben: Klebeband drüber, Kappe einsetzen, Klebeband rund um die Kappe in Form schneiden. Luft entweicht trotzdem – hört man sogar akustisch, Dreck kommt viel schwieriger rein.

Klebeband zum schließen der Löcher
Abkleben der Schlitze hält ebenfalls den Dreck draußen

Beide Varianten lassen sich kombinieren. Aber dann beim Aufpumpen aufpassen: Das Abblasen findet statt, aber spürbar langsamer. Du hörst das Abblasen eigentlich nicht mehr und es baut sich Druck unter dem Ventildeckal auf. Im schlimmsten Fall sprengt es den Ventildeckel ab, was für einen großen Schrecken sorgt. Glaub mir 😉. Also lieber zeitig mit dem Pumpen aufhören.


Kein Ventilschlüssel dabei? Taschentuch-Trick

Der Stempel wird bei Überdruck nicht mit großer Kraft herausgedrückt – man kann ihn also mit leichtem Gegendruck dichthalten. Ein ausreichend großes Stück Taschentuch, ein bisschen zusammengeknülltes Klebeband oder sonst was auf den Stempelkopf legen und dann die Ventilkappe aufsetzen. Der leichte Druck von oben reicht, damit die Dichtung schließt.

Taschentuch als Ventil Not-Hack
Einfach ein Stück Taschentuch einlegen und mit der Ventilkappe auf den Stempel drücken
abkleben des Ventils
Im Notfall hilft auch großflächiges Abkleben

FAQ

Kann ich das Ventil nicht einfach zukleben?

Ja, das geht – und als absolute Notlösung ist das auch okay. Aber vergiss nicht: Das Ventil ist nicht ohne Grund dort. Wenn du es zuklebst, musst du bei heißen Temperaturen oder direkter Sonneneinstrahlung den Druck sehr genau im Auge behalten. Zu viel Druck und der Boden kann platzen oder Nähte können aufreißen. Gib den Tricks oben erst eine Chance – danach ist das Thema eh erledigt.

Steve zeigt ausführlich, wie das Ventil dauerhaft verschlossen werden kann. Achtung, auf eigene Gefahr!

Muss ich das Ventil regelmäßig warten?

Nicht zwingend. Nach sandigen Touren oder wenn du merkst, dass der Boden schneller weich wird als normal, lohnt ein kurzer Check. Ansonsten erst wenn’s Probleme gibt – dann aber sofort.

Was wenn Reinigung nicht hilft? Gibt’s Ersatzventile?

Ja. Gumotex verkauft das Ventil als Ersatzteil. Wenn nach der Reinigung weiterhin Luft entweicht, kann die Dichtung oder die Feder verschlissen sein. In dem Fall ist ein neues Ventil die sauberste Lösung.

Was wenn das Ventil mechanisch kaputt ist?

Wenn nach gründlicher Reinigung das Problem bleibt, ist oft die Feder ermüdet oder die Dichtung dauerhaft verformt. Dann hilft kein Spülen mehr. Neues Ventil bestellen, einbauen – und gut ist.


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