Kanutour in Utrecht – Urban Paddling vom Feinsten

Utrecht

Utrecht ist mit über 370.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt der Niederlande. In der Studentenstadt gibt es ein weit verzweigtes Kanalsystem. Das gesamte Zentrum ist von Kanälen umschlossen und mit der Oude Gracht und der Nieuwe Gracht führen zwei Kanäle zusätzlich noch mitten hindurch. Die meisten dieser Kanäle dürfen auch mit Motorbooten befahren werden, so dass vor allem an warmen Sommertagen mit viel Verkehr zu rechnen ist.
Distanz

12 Kilometer

Zeit

5 Stunden

Schwierigkeit

Anfänger

Logistik

Rundkurs

Pegelstand

unbekannt

Die Kanutour: Urban Paddling Utrecht

Anfang 2024 hatten wir in den Flüssen im Umkreis überall teils extremes Hochwasser. Gleichzeitig wollte ich das Gumotex Seashine (zum ausführlichen Gumotex Seashine Testbericht) gerne auch mal auf stehendem Gewässer testen. Da kam die Idee einer Kanutour in Utrecht wie gerufen. Den ursprünglich geplante Termin mussten wir dann aber prompt platzen lassen. Ein Kälteeinbruch ließ Teile der Grachten zufrieren. Zwei Wochen später konnten wir dann doch unseren Rundkurs antreten und durch die Kanäle Utrechts schippern.

Diese Paddeltour habe ich wieder zusammen mit Olaf unternommen. Getroffen haben wir uns auf einem Parkplatz am südöstlichen Stadtrand, direkt gegenüber des Schwimmbads Krommerijn. Am Wochenende kann man dort kostenlos parken (ohne Gewähr). Hier gibt es auch einen Kanuverleiher und wer auf dem Krommerijn Richtung Zentrum starten möchte, kann hier auch wunderbar ein- und später auch wieder aussetzen.
Wir wollen aber nicht zweimal das selbe Teilstück paddeln. Da in die andere Richtung zu Anfang allerdings ein paar sehr niedrige Brücken den Weg versperren, kommt noch vor dem ersten Paddelschlag mal wieder der Bootswagen ¹ zum Einsatz (den Eckla Beach Rolly richtig nutzen).

Am Ende der Albert van Dalsumlaan finden wir eine gute Stelle zum Einsteigen. Direkt vor der folgenden Brücke gibt es ein stegartiges Holzbrett, welches ich mir im Vorfeld der Tour als potenziellen Einstieg ausgeguckt hatte. Allerdings ist der Platz dort doch sehr beengt und wir steigen kurz davor an der Uferböschung ein. An dieser Stelle des Ufers wucherten netterweise keine Büsche.

Unter der Brücke unter dem Autobahnzubringer hindurch wird es etwas eng, aber mit ein wenig Kopfeinziehen kommen wir doch leicht hindurch. Danach haben wir freie Fahrt und keine Kopfschmerzen aufgrund zu tiefer Betonbauwerke mehr zu befürchten. Wer es unkomplizierter mag, kann auch die Steganlage am Parkplatz Rembrandtkade nutzen, um seine Kanutour zu starten. Allerdings kann man dort sein Auto nur kostenpflichtig abstellen. Der Fußweg bis hier ist um 800 Meter länger.

Hinter dem Parkplatz folgt erneut eine Brücke und dahinter verbreitert sich der Kanal, sodass man fast schon das Gefühl hat auf einem See zu paddeln. De Zilveren Schaats heißt das Gewässer ab hier und hier zweigt auch der Mintstroom ab. Diesen würde ich für die Rücktour anstelle des Krommen Rijn empfehlen.
Am rechten Ufer sieht man Schafe grasen, am linken Ufer unzählige Gärten mit Zugang zum Wasser. In wirklich jedem Garten liegen wiederum eine Vielzahl an Wassersportgeräten. Hier scheint im Sommer so einiges los zu sein.

Unser Weg führt uns geradeaus weiter auf de Biltse Grift. Dort nähern wir uns auf einer großen Runde dem Zentrum an und tauchen langsam in die Welt des Urban Paddling ein. Langsam, weil es hier noch nicht den Charakter einer Großstadt hat, nicht weil die Boote langsam sind. Sowohl das Gumotex Seawave von Olaf, als auch das Seashine, welches ich testen darf, kommen beide auf eine angenehme Reisegeschwindigkeit. Etwas mehr als zwei Kilometer dauert dieses Warm-up, und dann sind wir auch schon quasi mittendrin. Eine Hubbrücke müssen wir noch passieren, danach finden wir uns auf der Stadsbuitengracht wieder.

Hier wird es deutlich breiter und die Wohnbebauung ist auch höher. Trotzdem kommt mir das Treiben abseits des Wassers noch relativ ruhig vor. Vor allem sind kaum Autos unterwegs. Sehr angenehm. Wir biegen links ab und paddeln im Kajak auf der Stadsbuitengracht den östlichen Teil des Zentrums ab. Am örtlichen Gefängnis nehmen wir die Rechtskurve. Am linken Ufer liegen ein paar Hausboote moderneren Baustils. Die Sonne gibt ihr Bestes, um uns die 5 Grad Aussentemperatur nicht spüren zu lassen. Immer wieder entstehen tolle Lichteffekte durch die Spiegelungen auf dem Wasser.

Richtig schön ist es hier, und immer noch ist von weit über 300.000 Einwohnern und jeder Menge Touristen nicht viel zu spüren. Am südlichen Teil der Stadsbuitengracht angekommen, nehmen wir noch eine Rechtskurve mit. Dann noch ein kurzes Stück geradeaus, unter der Brücke durch und dann …

… können wir erneut rechts abbiegen in die Nieuwe Gracht. Das Zentrum Utrechts misst zwei Kilometer von Nord nach Süd, diese werden wir heute noch genau zweimal abpaddeln. Später durch die Oude Gracht von Nord nach Süd und jetzt erst einmal durch die Nieuwe Gracht von Süd nach Nord. Andersherum ist es auf der engen Nieuwe Gracht auch gar nicht erlaubt. Eine Wasser-Einbahnstraße. Und Motorboote dürfen auf diesem Stück auch nicht fahren, wenngleich das für uns heute keinen Unterschied macht: motorisierte Boote sind heut sowieso keine unterwegs.

Auf der Niewuegracht fühlt es sich dann endgültig städtisch an. Links und rechts reihen sich die mehrstöckigen Häuser relativ dicht an die Gracht heran. Unten gibt es auf beiden Seiten je ein Plateau, von dem aus zahlreiche Gewölbekeller zu erreichen sind. Im Schatten der Gebäude ist es echt verdammt frisch, auf der rechten Seite suchen wir uns ein schönes Fleckchen mit Sonne für unsere Mittagspause aus.

Nach der verdienten Stärkung geht es weiter unter den unzähligen Brücken hindurch. Hier treffen wir die einzigen beiden, die außer uns an diesem Tage auf dem Wasser unterwegs sind. Ein nettes Pärchen auf einem StandUp-Board. Ohne vernünftige Paddelkleidung ² und Schwimmweste ¹ bei diesen Wassertemperaturen ein mutiges bis eher leichtsinniges Unterfangen. Wie erwähnt, nett waren die beiden trotzdem und so können Olaf und ich nach einem kleinen Plausch auch noch ein Erinnerungsfoto abstauben. Ein paar hundert Meter später befinden wir uns wieder auf dem nördlichen Teil der Stadsbuitengracht, unweit der Hubbrücke, die wir schon unterfahren haben.

Jetzt halten wir uns links. Olaf und ich sind hier bei den Touristen ein gefragtes Fotomotiv. Nach 600 Metern geht rechts die Utrechtsche Vecht ab, der man bis zum Ijsselmeer folgen könnte. Das ist uns für heute aber definitiv zu weit und so biegen wir links in die Oude Gracht ab. Und ab hier geht es nun wirklich mitten durch die pulsierende Innenstadt.

Auch hier gibt es an beiden Ufern die Plateaus mit ihren Gewölbekellern. Waren sie auf der Nieuwe Gracht bis auf einzelne Ateliers meist verschlossen, so sind hier jede Menge Restaurants und Geschäfte in ihnen beheimatet. Auch einen Kanuverleih können wir ausmachen, welcher aber zu dieser Jahreszeit selbstverständlich nicht geöffnet hat. Links und rechts herrscht reges Treiben, wenn auch zum Großteil nur in der oberen Etage, hier pulsiert das Leben. Mehr Urban geht beim Paddeln nicht und im Sommer werden die Lokalitäten an den Ufern bestimmt aus allen Nähten platzen. Wir fahren an einer Gruppe Mädels vorbei, die gerade Essen. Olafs „Eet smakelijk“ wird wie aus einem Munde mit einem chorartigen „Dank u wel“ beantwortet. Ich lache, weil ich an meine Schulzeit denken muss: „Guten morgen Frau Müller“ …

Dann wird es am Ufer langsam wieder ruhiger, den Hotspot haben wir hinter uns gelassen. Wir sind beide einhellig der Meinung, dass die Route der Tour perfekt gewählt war. Langsam haben wir uns angenähert bis zum urbanen Höhepunkt. Nun haben wir noch 2,5 Kilometer „auslaufen“ vor uns. Wir verlassen die Oude Gracht, biegen erst links ab und wenige Paddelschläge später rechts in den Kromme Rijn.
Dieser ist erstmal gar nicht so attraktiv und ist dazu ein strömendes Gewässer. Natürlich fahren wir gegen den Strom. Das ist die meiste Zeit in Ordnung, unter den Brücken, wo das Flussbett schmaler ist und sich das Wasser durch die Engstellen pressen muss, haben wir aber durchaus gut zu schaufeln.

Auf halber Strecke mündet ein Zufluss auf unserer linken Seite, den ich im Nachhinein auf der Karte nicht mehr ausmachen kann. Dieser Zufluss hat offensichtlich einen Großteil der Strömung zu verantworten. Dahinter geht es spürbar leichter voran. Wir passieren das Stadion des FC Utrecht und kommen schließlich an der Einsetzstelle direkt am Parkplatz aus. Ehrlich gesagt: Der Krommerijn hat uns nicht sonderlich viel Spaß gemacht. Ich habe daher in die Karte eine alternative Route in hellblau eingezeichnet. Der Mintstroom endet zwar an De Zilveren Schaats mit einem Schott, dieses steht aber wohl öfter auf und kann dann einfach durchfahren werden. Falls nicht, ist ein seitlicher Holzsteg installiert und man muss das Boot darüber ganze drei Meter umtragen. Sollte es mich noch mal nach Utrecht verschlagen, wird meine Wahl definitiv auf diesen Rückweg fallen.

Bis auf den letzten Part war dies eine mega Tour und ein tolles Erlebnis. Wir hatten das perfekte Wetter und dank der kalten Jahreszeit waren wir komplett alleine auf dem Wasser. Zur Nachahmung ausdrücklich empfohlen!

Bereit für dein eigenes Abenteuer?

Ich hoffe, dieser Tourenbericht hat dir gefallen und ist eine gute Anregung für dein nächstes Paddel-Abenteuer! Damit du perfekt vorbereitet bist, habe ich hier meine wichtigsten Ressourcen für dich – egal ob du als kompletter Anfänger startest oder deine bestehende Ausrüstung optimieren willst:

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Das Video zur Tour
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Diskussion zum Artikel

2 Responses

  1. Hallo Matthes,
    wie du schon geschrieben hattest: eine mega Tour! Ja, so empfand ich das auch schon alleine vom Zuschauen! Lädt tatsächlich zur Nachahmung ein. Hoffentlich komme ich auch irgendwann mal in diese Gegend. Danke für den sicherlich immensen Aufwand der Nachbereitung (Videoschnitt/Vertonung)! Wünsche dir und deinen Begleitern weiterhin tolle, spannende und unfallfreie Kajaktouren! Liebe Grüße aus Wien
    Harald

    1. Danke Harald!
      Die Tour durch Utrecht ist schon was Besonderes. Im Kajak mitten durch eine so pulsierende Stadt zu fahren, das macht schon Spaß und ist ein guter Kontrast zu den sonst ja eher sehr naturnahen Paddeltouren. Die Nachbearbeitung der Tour im Videoschnitt macht mir ja auch noch mal Spaß. Paddeln und Videoschnitt sind wohl zwei Hobbys, die ganz gut zueinander passen … 😉
      Liebe Grüße
      Matthes

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