Kanutour auf der Erft – Bergheim bis Grevenbroich

Erft - Bergheim bis Grevenbroich

Die Erft

Die Erft ist ein 107 km langer linker Nebenfluss des Rheins. Sie entspringt in der Eifel im Kreis Euskirchen und fließt durch den Rhein-Erft Kreis und den Rhein-Kreis Neuss. Bei Neuss mündet die erft in den Rhein. Durch das eingeleitete Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau ist die Erft ein sehr wassereicher Fluss und hat Sommer wie Winter eine überdurchschnittlich hohe Wassertemperatur. Der Flussverlauf wurde in ihrer Geschichte schon einige male geändert und zu großen Teilen begradigt. Mittlerweile sind einzelne Abschnitte wieder renaturiert worden.
Distanz

18 Kilometer

Zeit

4 Stunden

Schwierigkeit

Fortgeschritten °

Logistik

Auto °°

Pegelstand

Glesch 116 cm

° Die Fließgeschwindigkeit der Erft ist stellenweise recht zügig, so dass man an einigen Stellen aufpassen muss nicht in die zahlreichen Büsche am Ufer gedrückt zu werden. In den renaturierten Bereichen sollte man die Strömung lesen können.
°° Die Logistik ist auch per Zug mit Umstieg in Bedburg möglich. Die Entfernung der Einsetzstellen zum Bahnhof bei Start und Ziel beträgt jeweils knapp über einen Kilometer. Circa eine Stunde würde der Shuttle per Bahn inklusive Fußmarsch dauern.

Die Kanutour: Erft - Bergheim bis Grevenbroich

Seit langer Zeit war ich mal wieder mit Marc unterwegs. Recht spontan verabredeten wir uns zum Paddeln, eine Kanutour auf der Erft. Das Wetter sollte schön werden, ich hatte kurz zuvor das Gumotex Rush 2 zum Testen in Empfang nehmen dürfen (vielen Dank an Filip von kanu-online.com), also ab aufs Wasser.

Wir haben uns eine 18 Kilometer lange Route von Bergheim (Zieverich) bis Grevenbroich herausgesucht. Dabei sollten uns drei kurze Umtragungen erwarten.

Für das Teilstück ab Bergheim Zieverich bis Bedburg Broich gibt es in der Zeit vom 01.04. bis 31.08. Befahrungs-Kontingente. Daher ist es in diesem Zeitraum erforderlich, sich vorab für eine Befahrung anzumelden. Die Bootskontingente werden vom Kanuklub Bergheim verwaltet https://www.kanuklubbergheimerft.de/information-zur-befahrung-der-erft/

Da Marc und ich beide auf unterschiedlichen Strecken mit dem Auto angereist sind, bringen wir die Logistik auch mit dem PKW hinter uns. Möglich wäre dies aber auch mit dem Zug. Knapp eine Stunde hätte dies gedauert. Fußmarsch zum Bahnhof Grevenbroich, Umstieg in Bedburg und Fußmarsch vom Bahnhof Zieverich inklusive. Nutzt man denn ÖPNV ist für solch eine Tour ein aufblasbares Kajak ideal. Meine Testsieger findest du hier im großen Vergleich.

Wir aber treffen uns am Parkplatz in Grevenbroich, stellen dort ein Auto ab und fahren zusammen zum Parkplatz an der Zievericher Mühle … und stellen dort fest, dass der Parkplatz gesperrt ist. Macht nichts, dann parken wir eben ein Stückchen weiter am Seitenstreifen und laufen die knapp 200 Meter zur Einstiegsstelle. Dank des Bootwagens ¹ – wie immer – kein Problem (zu meinen Tipps den Eckla Beach Rolly richtig nutzen).

Kurz hinter dem Wehr befindet sich bei Flusskilometer 38,4 ein Steg, an dem wir komfortabel einsetzen können. Los geht die wilde Fahrt. Die Erft hat hier eine recht zügige Strömung, anfangs sogar gepaart mit einigen umgekippten oder überhängenden Bäumen. Es ist also erst mal Achtsamkeit zu Beginn unserer Paddeltour angesagt. Die vermeintlichen Hindernisse werden bald weniger, der Fluss ist weiterhin zügig. Obwohl wir ziemlich herumtrödeln, haben wir erstaunliche 6 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Uhr.

Es folgt ein nicht mehr genutztes Wehr bei km 37,1 welches wir problemlos durchfahren. Weiter geht es an Glesch und dem dortigen Pegel vorbei, der die Angabe meiner App bestätigt: 116 cm.

Und dann folgt auch schon Bedburg. Von der Wohnbebauung am linken Ufer bekommt man hier aber nicht viel mit. Bäume säumen den Weg und halten den Fluss trotz seiner Kanalisierung landschaftlich interessant. Wir passieren noch eine Straßenbrücke und schon folgt das Wehr Bedburg bei km 32,3. Auf der rechten Seite können wir das Wehr gut umtragen. Der Aus- und Wiedereinstieg werden durch breite Treppenstufen erleichtert. Wirklich schön ist es hier aber nicht, also schnell weiter.

Schnell im wahrsten Sinne. War die Strömung aufgrund des Wehres vorher ein wenig zurückgegangen, fließt die Erft nach dem Wehr erneut mit zügiger Geschwindigkeit in Richtung Rhein. Wir passieren eine kleine und sehr flache Sohlschwelle und können anschließend einen Blick in einige Gärten erhaschen. Wenige hundert Meter später ist dann schon wieder Schluss, das Wehr Broich versperrt uns bei km 31,1 den Weg und zwingt uns zum Ausstieg.

Aber vorher muss ich noch Wilson retten. Der hat sich am linken Ufer im Gebüsch verfangen und wird meinen Sohn glücklich machen. Auch in Broich wird rechts umtragen. Deutlich schöner ist es hier, als in Bedburg, daher entschließen wir uns ein kleines Päuschen einzulegen. Ich hole den Kocher heraus (Danke an Leo von x-boil.de) und wir machen uns lecker Tee. Ein bisschen feste Nahrung verleiben wir uns ebenfalls ein und nehmen so gut gestärkt die restliche Strecke in Angriff. Der Wiedereinstieg befindet sich ebenfalls am rechten Ufer, von oben erkennt man ihn nicht wirklich, wir sehen nur grüne Wiese. Unten am Ufer angekommen entdecken wir aber Treppenstufen, von denen wir wunderbar einsteigen können.


So langsam zeigt sich die Sonne immer mehr, 18 beachtliche Grad sollen es heute, immerhin erst Anfang März, noch werden. Die Ufer sind hier wieder beidseitig üppig bewachsen, ab und an sehen wir Spaziergänger oder Fahrradfahrer. Und Angler. Einige. Viele.
Schön ist es hier, von der gar nicht so weit entfernten Straße hören wir eigentlich auch nichts. Einige bekloppten Motorradfahrer reichen aber aus, die idyllische Stimmung zu zerstören. Am ersten richtig warmen Tag des Jahres tummeln sich die Zweiräder in Massen auf der Straße und einige fühlen sich offenbar dazu genötigt, ihre Maschinen immer und immer wieder sehr laut aufheulen zu lassen. Ärgerlich.


Im anschließenden renaturierten Teilstück lassen wir das Motorengeheul zum Glück langsam hinter uns und erfreuen uns an der teils zügigen „Slalomstrecke“. Am Ende des neu gestalteten Stücks kündigt ein Umspannwerk und eine breite Eisenbahnbrücke das stillgelegte Kraftwerk Frimmersdorf an, welches ab ungefähr Flusskilometer 25 für beachtliche 1500 Metern am rechten Ufer folgt.

Das anschließende Wehr Gustorf können wir durchfahren und die Anglerdichte nimmt noch einmal zu. Direkt hinter dem Wehr hat sich einer postiert und die Leine bis weit ans linke Ufer heran geworfen. Ich verheddere mich mit dem Steuer in der Leine, durch das Aufholen des Steuerblatts kann ich mich aber wieder befreien und wir setzen unseren Weg durch ein Waldstück fort. Wir haben den Stadtrand von Grevenbroich erreicht und hier herrscht auf den begleitenden Wanderwegen an beiden Ufern ein reges Treiben. Bei herrlich sonnigem Sonntagswetter und mittlerweile tatsächlich 18 Grad kein Wunder. Ich bin froh, dass ich mich für die geteilte Trockenvariante aus Trockenhose ¹ und Paddeljacke ¹ entschieden habe. Die Jacke kann ich zur Belüftung oben ein wenig aufmachen. Bei heutigen 16 Grad Wassertemperatur ein noch vertretbares Unterfangen. Die Erft ist aufgrund der Einleitung des Sümpfungswassers aus dem Braunkohletagebau immer verhältnismäßig warm. Drei Kilometer paddeln wir durch das schöne Waldstück und erreichen bei km 20,4 die Eisenbahnbrücke unmittelbar vor dem Wehr Grevenbroich. Hier steigen wir auf der linken Seite aus, setzen aber nicht mehr in den Flutgraben um, sondern karren die Boote 400 Meter den begleitenden Wanderweg entlang bis zu meinem Auto.

Du möchtest die Tour nachpaddeln? Passende Boote für diese Tour findest du in meinem Luftboot-Finder. Und lies auch meinen Ratgeber Artikel, welche Paddel-Ausrüstung benötigt ein Anfänger wirklich.


Mit bester Begleitung bei bestem Wetter ein wirklich schöner Ausflug.

Bereit für dein eigenes Abenteuer?

Ich hoffe, dieser Tourenbericht hat dir gefallen und ist eine gute Anregung für dein nächstes Paddel-Abenteuer! Damit du perfekt vorbereitet bist, habe ich hier meine wichtigsten Ressourcen für dich – egal ob du als kompletter Anfänger startest oder deine bestehende Ausrüstung optimieren willst:

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Das Video zur Tour

Mittlerweile bin ich auch den nächsten Abschnitt der Erft, von Grevenbroich bis zur Mündung in den Rhein in Neuss gepaddelt. Nach wenigen Metern auf dem Rhein ist der Ausstieg auf der linken Seite im Sporthafen Neuss möglich. Auch diese Paddeltour habe ich auf Video festgehalten. Unterwegs war ich auf diesem Teilstück in der alten Version, des mittlerweile runderneuertem Gumotex Swing 1.

Die Erft von Grevenbroich bis Neuss

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Diskussion zum Artikel

3 Responses

  1. Hallo Matthes, ich habe den Beitrag über die Tour Bergheim nach Grevenbroich gelesen. Gibt es Erfahrungen auf der Erft zwischen Neuss-Holzheim und der Mündung in den Rhein? Ich habe ein Klepper T9. Viele Grüße Ronald

  2. Schon einmal Danke für die flotte Rückmeldung. Das Video schaue ich mir später an, den Sporthafen kenne ich, da liegt das Faltboot. Für mich ist es hauptsächlich interessant, wie es ab Neuss flussaufwärts aussieht, Strömung, Anlegemöglichkeiten, Stromschnellen. Das T 9 ist eine ziemlich wackelige Angelegeheit… Ich werde das in den nächsten Wochen mal erkunden. Viele Grüße

    1. Hallo Ronald, wie du im Video sehen wirst ist das letzte Stück etwas spritziger und je nach Wasserstand ist Grundkontakt nicht ausgeschlossen. Vermutlich für ein Faltboot nicht das richtige.
      Die Umtragungen und Einsetzstellen habe ich in beiden Videos immer eingeblendet. Vermutlich würde ich dir die erste Etappe weiter oben bis Grevenbroich empfehlen. Ich habe in Erinnerung, dort nicht aufgesetzt zu sein. Müsste das Video aber selber noch mal anschauen, die Tour ist auch schon wieder eine ganze Weile her …
      Liebe Grüße ☺️

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